"Natürlich", "ohne Zusätze", Bio-Look: Was hinter Marketingbegriffen auf Verpackungen wirklich steckt
Begriffe wie "natürlich" oder "ohne künstliche Zusätze" begegnen uns überall im Alltag. Sie klingen gut, fühlen sich vertrauenswürdig an. Doch was steckt wirklich dahinter – und woran erkennst du, ob ein Versprechen auf der Verpackung tatsächlich hält, was es verspricht?
Ein Begriff mit vielen Interpretationen
In der EU gibt es keine einheitliche, rechtliche Definition dafür, was ein Lebensmittel "natürlich" macht. Während Begriffe wie "Bio" streng reguliert sind und bestimmte Anforderungen erfüllen müssen, kann der Begriff "natürlich" von Herstellern relativ frei verwendet werden.
Das bedeutet: Ein Produkt kann als natürlich bezeichnet werden, auch wenn es verarbeitet wurde oder Aromen bzw. andere Inhaltsstoffe enthält. Das macht den Begriff an sich nicht automatisch problematisch – entscheidend ist, ob Hersteller offenlegen, was genau dahintersteckt, und ob sich das auf der Verpackung nachvollziehen lässt.
Natürliches Aroma – ein Begriff, der Erklärung braucht
Besonders "natürliches Aroma" sorgt für Verwirrung. Nach EU-Recht darf ein Aroma als natürlich bezeichnet werden, wenn es aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Ausgangsstoffen gewonnen wurde – unabhängig davon, wie aufwendig der Herstellungsprozess war.
Das ist rechtlich zulässig und für viele Produkte auch sinnvoll. Problematisch wird es erst dann, wenn ein Begriff wie "natürlich" auf der Vorderseite steht, sich in der Zutatenliste aber keine nachvollziehbare Erklärung dazu findet. Genauso verhält es sich mit "ohne Konservierungsstoffe": Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt unbehandelt ist. Zucker, Salz und Säuerungsmittel wirken konservierend, müssen aber nicht als solche deklariert werden.
Die Lösung liegt also nicht darin, bestimmte Begriffe grundsätzlich zu meiden, sondern darin, jeden verwendeten Begriff nachvollziehbar zu machen.
Woran du irreführende Produkte erkennst
Man muss keine Ernährungsfachkraft sein, um gute von irreführenden Produkten zu unterscheiden. Auf diese Signale solltest du achten:
- Ungenaue Begriffe ohne Erklärung: "Natürlich", "ursprünglich" oder "wie aus der Natur" – wenn ein Begriff nirgends genauer erläutert wird, ist das meist reines Marketing.
- Lange, unverständliche Zutatenlisten: Eine kurze, verständliche Zutatenliste ist ein gutes Zeichen. Wenn die Hälfte der Zutaten kaum ausgesprochen werden kann, lohnt sich ein zweiter Blick.
- "Ohne Zusatzstoffe", aber lange E-Nummern-Liste: Nicht alle E-Nummern sind synthetisch – auch natürliche Stoffe wie Vitamin C oder Kurkuma tragen solche Kürzel. Die Kombination aus einem "Ohne-Zusätze"-Versprechen und einer langen, nicht erklärten E-Nummern-Liste ist trotzdem oft widersprüchlich.
- Gesundheitsversprechen ohne Beleg: Aussagen wie "gut für die Verdauung" oder "stärkt das Immunsystem" sind in der EU nur erlaubt, wenn sie als zugelassene Angabe im EU-Register (Health-Claims-Verordnung, VO (EG) Nr. 1924/2006) geführt werden. Vage Formulierungen umgehen diese Vorschrift oft gezielt.
- Design, das mehr verspricht als die Zutatenliste hält: Grün, mit Blattmotiven, naturnaher Haptik – Verpackungsdesign kann Natürlichkeit suggerieren, ohne dass die Zutatenliste das stützt. Ein Zertifikat wie Bio, Naturland oder Fairtrade ist ein zusätzliches, starkes Signal – sein Fehlen bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Hersteller etwas verbirgt, solange er Herkunft und Zutaten anderweitig offen und nachvollziehbar kommuniziert.
Was wirklich zählt
Die Antwort auf die Frage lautet also: Eine Zutat, die so wenig wie möglich von ihrem ursprünglichen Zustand entfernt und deren Herkunft nachvollziehbar ist, gilt als natürlich. Entscheidend ist am Ende nicht das einzelne Wort auf der Vorderseite, sondern ob Vorderseite, Zutatenliste und Kommunikation des Herstellers zueinander passen.
Achte auf kurze, lesbare Zutatenlisten mit Zutaten, die auch in einer Küche zu finden wären. Und kaufe bevorzugt bei Herstellern, die offen kommunizieren, woher ihre Rohstoffe stammen – unabhängig davon, ob ein Zertifikat draufklebt oder nicht.
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Wie wir bei Pelster's damit umgehen
Wir finden: Transparenz ist keine Marketingstrategie, sondern eine Haltung. Deshalb ist uns wichtiger, wie wir kommunizieren, als möglichst viele positive Begriffe auf die Verpackung zu drucken:
- Wir deklarieren vollständig. Jede Zutat unserer Rezepturen – auch natürliches Aroma, sofern enthalten – ist klar auf der Verpackung ausgewiesen und nachvollziehbar gekennzeichnet. Außerdem nutzen wir nur natürliche Zusätze und Aromen, die für Bio-Produkte zugelassen sind.
- Es ist nur drin, was draufsteht. Hafer aus nachhaltiger EU-Landwirtschaft, Matcha in bester Qualität aus Japan, Datteln aus biologischem Anbau – ohne versteckte Füllstoffe. Unsere Produkte werden in deutschen Laboren geprüft.
- Wir verzichten bewusst auf ungedeckte Gesundheitsversprechen. Wir nutzen keine Health Claims, die nicht im EU-Register zugelassen sind, und distanzieren uns ausdrücklich von vagen Werbeversprechen, die sich nicht belegen lassen.
- Wir sind offen für Rückfragen und Kritik. Wenn du zu einer Zutat, einem Begriff auf unserer Verpackung oder unserer Lieferkette Fragen hast, sprich uns direkt an – wir beantworten das gerne, statt es hinter Marketingsprache zu verstecken.
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Dein Einkaufsguide
Stell dir beim nächsten Griff ins Regal drei Fragen:
- Kann jede Zutat ausgesprochen und eingeordnet werden?
- Wird das Versprechen auf der Vorderseite durch die Zutatenliste auf der Rückseite belegt?
- Kommuniziert der Hersteller offen, woher die Rohstoffe stammen – mit oder ohne Zertifikat?
Wenn du alle drei Fragen mit Ja beantworten kannst: gutes Zeichen. Wenn nicht, vertraue deinem Bauchgefühl – und recherchiere im Zweifel lieber noch einmal nach.
Häufige Fragen zu natürlichen Zutaten und Lebensmittelmarketing
Ist der Begriff "natürlich" auf Lebensmitteln gesetzlich geschützt? Nein. Anders als "Bio" ist "natürlich" in der EU nicht einheitlich reguliert und kann von Herstellern relativ frei verwendet werden.
Was bedeutet "natürliches Aroma" genau? Ein Aroma darf als natürlich gelten, wenn es aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Ausgangsstoffen gewonnen wurde – unabhängig vom Aufwand des Herstellungsprozesses.
Braucht ein natürliches Produkt automatisch ein Zertifikat? Nein. Ein Zertifikat wie Bio, Naturland oder Fairtrade ist ein starkes zusätzliches Signal, aber kein Muss – entscheidend ist, ob Herkunft und Zutaten nachvollziehbar kommuniziert werden.
Quellen:
Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union (2006): Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 – Nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel. Online abgerufen unter: Regulation - 1924/2006 - DE - EUR-Lex (am 21.08.26)
Europäische Kommission (2012): Verordnung (EU) Nr. 432/2012 – Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Online abgerufen unter: Regulation - 432/2012 - DE - EUR-Lex (am 21.08.26)
Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union (2011): Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 – Information der Verbraucher über Lebensmittel. Online abgerufen unter: Verordnung - 1169/2011 - DE - lebensmittelinformationsverordnung - EUR-Lex (am 21.08.26)
Europäisches Parlament und Rat der Europäischen Union (2018): Verordnung (EU) 2018/848 – Ökologische/biologische Produktion und Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen. Online abgerufen unter: Verordnung - 2018/848 - DE - EUR-Lex (am 21.08.26)
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (o. J.): Gesundheitsbezogene Angaben. Online abgerufen unter: Health claims (art. 13) | EFSA (am 21.08.26)